Die Schneeflockenmethode von Ingermanson

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  • Araluen
    Moderator
    • 04.09.2023
    • 286

    Die Schneeflockenmethode von Ingermanson

    Heute stelle ich euch mal eine weitere Plotmethode vor - die Schneeflockenmethode von Randy Ingermanson.
    Das war die erste Plotmehtode, mit der ich je in Berührung gekommen bin.
    Der große Vorteil: Zieht man sie durch, hat man am Ende einen Szenenplan, den man nur noch runterschreiben muss
    Der große Nachteil: Sie ist sehr aufwändig. Ich habe es einige Male versucht, aber noch nie geschafft, sie bis zum Ende durchzuziehen.
    Aber selbst wenn man nur einige Schritte durcharbeitet, bringt einen diese Methode sehr weit und liefert sehr gute Hilfestellungen für ein Expose.

    Mein persönliches Fazit zur Schneeflockenmethode: Es war die erste Plotmethode, die ich kennenlernte und ja in vielen Punkten finde ich sie auch gut. Aber, ich habe sie noch nie komplett durchgezogen. Mir vergeht dabei die Lust an der Geschichte. Es ist mir zu engmaschig und gefühlt hab ich den Plot schon ein dutzend Mal durchgekaut, ehe ich überhaupt zu schreiben beginne. Dennoch glaube ich, dass es eine Methode mit Erfolg sein kann, vor allem wenn es darum geht, eine Geschichte auch einmal zu beenden... vielleicht versuche ich es doch noch einmal

    Die Idee: Wir designen unsere Geschichte, ausgehend von einem zentralen Punkt, wächst unsere Geschichte mit jedem Arbeitsschritt zu einer einzigartigen Schneeflocke heran. Das Bild mag ich nach wie vor total gern
    Was wir tun: Wir arbeiten insgesamt 10 Schritte durch. Das Wichtige dabei ist, dass man jederzeit zu einem vorhergehenden Schritt zurückgehen kann, um Dinge anzupassen, die sich "spontan" ändern durch die Bearbeitung späterer Schritte.

    Schritt 1: Die Geschichte in einem Satz
    Klingt hart? Ist es auch, aber machbar. Zur Übung kann man sich hier auch gern mal die Bücher aus seinem Schrank vornehmen und deren Plot in einem Satz zusammenfassen.
    Folgende Aspekte sollte man hier beachten:
    - keine Charakternamen
    - soweit es geht verallgemeinern
    - aus Sicht der Hauptfigur
    - Fokussieren auf den Kern der Geschichte
    - Aufbau: Hauptcharakter tut etwas, um ein Ziel zu erreichen bzw. den Bösewicht an etwas zu hindern.

    Bsp.:
    Ein Halbling muss einen mächtigen Ring zerstören, um die Welt vor dem Bösen zu retten.
    Ein junger Zauberlehrling stellt sich mit seinen Freunden dem mächtigsten Schwarzmagier aller Zeiten entgegen.
    Ein Löwenjunge muss erwachsen werden, um seinen Onkel herauszufordern und seinen rechtmäßigen Platz als König einzunehmen.
    Eine junge Bardin muss vier verschollene Musikstücke finden, um die Welt vom Bösen zu befreien.

    Schritt 2: Die Geschichte in fünf Sätzen
    Aus unserem einen Satz machen wir nun fünf. Hierbei gilt:
    Erster Satz: Einführung (Hauptperson, Handlungsort, Hintergrund und Aufbau der Geschichte)
    Zweiter Satz: die erste Katastrophe (erster Konflikt), mit der die Hauptperson konfrontiert wird. Prota kann meist nichts dafür, dass sie eintritt.
    Dritter Satz: die zweite Katastrophe, die sich ergibt, während Prota versucht mit der ersten klar zu kommen -> Prota verschlimmert seine Situation ungewollt.
    Vierter Satz: die dritte Katastrophe, ebenfalls dadurch verursacht, dass Prota versucht irgendwie klar zu kommen. Merke: Die Katastrophen sollen sich steigern.
    Fünfter Satz: Das Ende, welches die Lösung für alle Katastrophen bereithält.

    Beispiel:
    erster Satz: Ein Halbling erbt von seinem Onkel einen magischen Ring.
    zweite Satz: Der Halbling wird von Schwarzen Reitern gejagt und verlässt seine Heimat, um den Ring fähigeren Leuten zu überlassen
    dritter Satz: Der Halbling bekommt den Ring erneut anvertraut, um sich mit seinen Gefährten auf ein Himmelsfahrtkommando zu begeben, damit der Ring zerstört wird.
    vierter Satz: Der Halbling muss sich von seinen Gefährten trennen, weil sie ihm den Ring abnehmen wollen.
    fünfter Satz: Durch die Hilfe eines ambivalenten Verbündeten gelingt es dem Halbling den Ring zu zerstören.

    Schritt 3: Die Protagonisten (und natürlich auch der Antagonist)
    Hier werden schon einmal grob die Protagonisten der Geschichte erfasst. Dabei gilt es folgende Punkte zu bearbeiten:
    a) Name der Figur
    b) Geschichte der Figur in einem Satz (kann deckungsgleich mit dem Plot sein, muss es aber je nach Prota nicht zwangsläufig)
    c) Ziel und Motiv der Figur
    d) Was hindert die Figur daran, ihr Ziel zu erreichen?
    e) Was lernt die Figur und wie verändert sie sich?

    Schritt 4: In 25 Sätzen zum Roman oder erweitere deine fünf Sätze aus Schritt 2 zu je einem Absatz.
    Jetzt gilt es die zuvor formulierten 5 Sätze zu insgesamt 5 Absätzen zu erweitern. Jeder Absatz endet dabei in einer Katastrophe außer der Schluss. Fokus liegt hierbei auf Konflikten und Handlung. Da Absatz eine ziemlich schwammige Maßeinheit ist, kann man sich auch die 25 Sätze als Maßeinheit nehmen. So sollte jeder Absatz nicht länger als 5 Sätze sein.

    hilfereiche Fragen:
    Wie und warum wird der Konflikt ausgelöst?
    wer ist an dem Konflikt beteiligt?
    Wieso ist der Konflikt so schlimm?
    Wie gehen die Figuren damit um?
    Wie entsteht das nächste Problem, beim Lösungsversuch des vorherigen?

    Hat man es soweit geschafft, ist der Grundstein für ein Exposé bereits gelegt.

    Schritt 5: Was denken eigentlich die Figuren?
    Es ist an der Zeit sich mit den Figuren auseinander zu setzen. Beschreibe auf einer Seite die Geschichte der Sicht der Figur - in welcher Form ist egal, Bericht, Tagebucheintrag, grobe Notizen. Neben Protagonisten können hier auch gern wichtige Nebenfiguren zum Zuge kommen und natürlich auch der Antagonist.

    hilfreiche Fragen:
    Was fühlt die Figur?
    wer sind ihre Verbündeten udn wer sind ihre Feinde?
    Wie entwickelt sich die Figur weiter?
    Welche Moralvorstellungen hat die Figur?
    Wie würde sie in den wichtigsten Situationen in der Geschichte handeln?
    Welche Stärken und Schwächen hat die Figur?

    Schritt 6: Langsam wird eine Geschichte daraus.
    Erinnert ihr euch an die 25 Sätze bzw. 5 Absätze? Jeder Absatz (bzw. jeder 5-Satz-Paket) soll nun auf eine Seite erweitert werden. Beachte hier vor allem die Logik in deiner Geschichte und wie sie strategisch am besten erzählt wird.

    Schritt 7: Mehr Tiefe für die Figuren
    Nun widmen wir uns wieder den Figuren, nämlich ihrer Hintergrundgeschichte. Zudem kann man noch einen kleinen Steckbrief zu den alltäglichen Nebensächlichkeiten wie Aussehen, Lieblingsirgendwas, Hobbys, Motivation, Prägende Erinnerungen usw.. Tobt euch aus!

    Schritt 8: Alle Szenen in einer Tabelle
    Ich habe es angedroht und wir machen es wirklich: einen Szenenplan. Zu empfehlen ist hier tatsächlich ein Exceldokument. Laut Ingermanson kommt man auf rund 100 Szenen plus Minus individueller Abweichung. Sprich im Durchschnitt hat eine Geschichte 100 Szenen (vermutlich gemessen an einem 300 Seiten Standardumfang), aber es kommt auf die Geschichte an.
    Folgende Spalten kann ich empfehlen:
    Ort
    handelnde Personen
    POV
    Tageszeit
    Ziel (POV)
    Motivation (POV)
    Konflikt (POV)
    Handlung
    Notizen (irgendwas ist schließlich immer)

    Schritt 9 (optional): Ergänzen
    Dieser Schritt ist fast schon etwas überflüssig, kann aber gemacht werden. Hier geht es darum, sich den Szenenplan zu nehmen und eine rund 50-seitige Zusammenfassung des Plots zus chreiben. Dabei fallen einem sicher noch einige Ergänzungen ein oder manche Dinge ändern sich komplett.

    Schritt 10: herzlichen Glüchwunsch! Du darfst jetzt losschreiben.
  • Aidan
    Moderator
    • 03.09.2023
    • 361

    #2
    Ja, die Schneeflocke. Sie war auch meine erste Plotmethode, mit der ich mich konfrontiert habe. Sie ist bestimmt toll, wenn man dafür geschaffen ist. Bei mir ist sie der Tod jeder Geschichte. Die grundsätzlich Fragen finde ich trotzdem hilfreich.

    Danke, dass du sie so nachvollziehbar dargestellt hast!

    Kommentar

    • Katharina Valentina
      Kaffeetrinker
      • 17.09.2024
      • 53

      #3
      Interessant, das kannte ich noch gar nicht! Bis auf den Szenenplan am Ende ist das ja eine Zusammenfassung von verschiedenen Plotmethoden und man kann hier und da passende Plotmethoden im jew. Schritt einfach ergänzen. Bei Draft 2 von Buch 1 hab ich den Szenenplan gemacht, weil es mir sehr geholfen hat, Probleme in der Geschichte zu spotten. Ging mir irgendwann gehörig auf den Keks, alles immer wieder durchzukauen, aber es hat mich weitergebracht. Bei Buch 2 habe ich auch vor, das so oder so ähnlich zu machen - mal sehen, ob es gut funktioniert

      Kommentar

      • Araluen
        Moderator
        • 04.09.2023
        • 286

        #4
        Ja dieses ewige Wiederkäuen mag ich an der Methode auch nicht. Da vergeht mir dann die Lust. Da hab ich mir dann selbst die Geschichte zu oft erzählt *gg*. Wobei ich meist bereits zu viel habe von einer Geschichte, um die Schneeflocke wirklich anwenden zu können. Dann fühlt es sich nämlich erst recht wie Fleißarbeit an. Wenn man aber noch bei der Grundidee steht, kann einen die Schneeflocke echt weit bringen.

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