Lass uns darüber reden, Baby! - Monologe, Dialoge – Streitgespräche

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  • Niam
    Redakteur
    • 05.09.2023
    • 107

    Lass uns darüber reden, Baby! - Monologe, Dialoge – Streitgespräche

    Spannende Gespräche, lustige Debatten, interessante Interviews oder nervtötende Quasseleien…
    Welchen Zweck sollen Dialoge also in einer Story erfüllen, was sollen sie dabei unbedingt beinhalten und wann sind sie überflüssig, zu lang oder zu langweilig?


    Gut eingesetzte Dialoge machen die Motivationen der Figuren meistens klarer, ihre Wünsche bzw. Handlungen besser sichtbar und bringen die Geschichte im optimalen Fall weiter. Unkonventionelle oder originelle Gespräche und humorvolle Monologe würzen Romane wie Sachbücher und halten dabei die Leser bei Laune. Wenn die Leser bei einem gelesenen Gespräch ins Schmunzeln geraten oder gar laut herauslachen müssen - oder die Redewendung, der Satz oder das kreative Schimpfwort als so genial gefunden wird, dass sie sogar manchmal in die eigenen Gespräche integriert wird - dann hat der dafür verantwortliche Autor punktgenau „ins Schwarze getroffen“.

    - Was aber machen gelungene Dialoge, Monologe oder Streitgespräche aus?
    - Wieviel Platz sollten Gespräche in einem Roman generell einnehmen?
    - Wann sollte man in einer Szene lieber reden/schreien/verhandeln, anstatt eine Action- oder Handlungssequenz einzubauen und wann ist es sinnvoll, die beiden zu verbinden und wie erkennt man das?
    - Gibt es eurer Meinung dabei ein zu viel oder ein zu wenig und kommt es dabei auch auf das Romangenre an?

    Ich habe Bücher gelesen, die mit witzigen Dialogen geglänzt haben, die sich aber nach einer Weile irgendwie abgenutzt und dann nur mehr genervt haben.
    So nach dem Ausspruch „UNERTRÄGLICH gut gelaunt" oder "bemüht durchgehend witzig“ .

    Es ist für Autoren - denke ich - oft nicht so einfach das richtige Maß bei Dialogen oder Monologen zu finden und es ist oft viel Fingerspitzengefühl notwendig um die „richtige Dosis“ zu finden. Wie geht ihr in der Praxis an diese Bereiche heran?

    Habt ihr die Dialoge fertig im Kopf, oder entwickeln sie sich beim Schreiben?
    - Wann sollte man den Redefluss der Figuren energisch einbremsen - und - habt ihr ein Rezept für das Verhältnis Dialog : Action ?
    - Gibt es hier eine Faustregel, nach der ihr arbeitet, oder geht das nach Bauchgefühl?

    - Wie lange sollten Gespräche zwischen den Figuren eurer Meinung nach maximal andauern, bevor es mühsam wird und dringend Handlung gefragt ist?
    - Und ist es sehr schwierig für euch dabei genau abzuwägen, was in so einen Dialog/Monolog unbedingt hineingehört, was zu „grenzwertig“ zählt und was schweren Herzens wegmuss?
    - Gibt es Ausdrücke, die Tabu sind oder welche, die gerne verwendet werden und immer wieder passen?

    - Wieviel Einfluss auf das Endergebnis der Dialogsequenzen haben dabei eure Betaleser?
    - Kennzeichnet ihr diese Unterhaltungen auf besondere Weise? ( Eingerückte Zeile, Kursiv geschrieben, fett gedruckt)
    - Wie steht es mit den Monologen oder Gedankengängen der Figuren. Nützt ihr die Möglichkeit, die Gedanken von (ganz bestimmten oder auch von viel mehr) Figuren
    offenzulegen? Oder lasst ihr lieber die Handlungen der Protagonisten für sie sprechen?

    - Wieviel Flucherei sollte im Dialogtext sein und wie kreativ/abwechslungsreich soll das Gefluche sein?
    - Wie witzig sollte generell ein Text, und dabei vor allem die Gespräche der Figuren sein und ab wann wird’s für euch als Autor oder auch als Leser nervig?

    - Haltet ihr als Autor/Geschichtenerzähler vor Geschichten eine Art „Einführung“ oder Prolog (Quasi so ähnlich wie …


    Und es begab sich im Jahre „Wann-auch-immer“, als die „Wer-auch-immer“ ins besonders geheiligte Land „Wo-auch-immer“ einfielen und „Was-auch-immer“ anstellten/vorhatten, bis es „Wem-auch-immer“ zu viel wurde, er/sie/es die Sache „Wie-auch-immer“ in die Hand nahm und die Geschichte ins Rollen brachte…) oder macht ihr es ganz anders?

    - Wie steht es mit Epilogen oder den berühmten Enden der Märchen „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute?“ Habt ihr einen bevorzugen Schlusssatz?
    - Sind Bemerkungen oder eigene Gedanken des Autors/des Erzählers in der Geschichte nützlich, unnötig, vielleicht störend oder kommt es ganz auf die Story an? Und wenn ja, wie erkennt man das als Autor?


    Aaaalsooo wieder einmal viele Fragen um euch als Autoren ein bisschen über die Schulter zu blicken.
    Ich bin echt gespannt, wie ihr die Sache mit den Dialogen angeht und was ihr tut, um eure Geschichten durch geflüsterte Geständnisse, knallharte Verhandlungen, heftige Streitgespräche, bellende Befehle oder auch sanftes Liebesgeflüster zum Glänzen zu bringen und damit erinnerungswürdige Gespräche und geniale Szenen zu erschaffen.


    Zuletzt geändert von Niam; 18.10.2024, 14:31.
  • Araluen
    Moderator
    • 04.09.2023
    • 286

    #2
    Generell sehe ich zwei große Regeln für Dialoge:
    Dialoge sollen ein Ziel verfolgen, dass den Plot oder die Figurenentwicklung vorran bringt und auch strikt auf diese zuarbeiten.
    Dialoge sind keine realen Gespräche.

    Ja, aber wenn zwei Leute miteinander reden, sit es doch ein Gespräch oder nicht?
    Im realen Leben, ja. Aber ein Gespräch funktioniert in einem Buch nicht. Gespräche verfolgen keine Agendam haben keine Gestlatungsregeln und sind schlicht und ergreifend konfus. Thema werden so fließend gewechselt wie Wasser. Oft drehen sich die Gesprächspartner im Kreis und fallen einander in Wort. Übertragen in ein Buch wäre ein reales Gespräch kaum lesbar, sehr ermüdend, ausufernd und verfehlt sein Ziel.
    Der Unterschied zwischen einem Gespräch und einem Dialog ist in meinen Augen, dass Dialoge nicht zum Zweck der reinen Konversation geführt werden, sondern um eben Plot oder Figurenentwicklung vorran zu treiben. Sie haben ein fest gestecktes Ziel und müssen darauf stringend hinarbeiten. Hierbei gilt für mich (auch wenn ich sehr sehr gerne Dialoge schreibe): Figuren sagen so viel wie nötig aber so wenig wie möglich. Das heißt jetzt nicht, dass sie nur stumpf dem Informationsaustausch folgen sollen in kurzen Hauptsätzen. Die Figuren sollen innerhalb des Dialogs ihre Persönlichkeit ausleben. Wenn es zum Charakter der Figur gehört weitschweifige Monologe auf einfache Fragen zu halten (hallo, Fermin Romero de Torres aus Schatten des Windes), dann sollen sie das sehr gerne tun. Nur wenn sich die Figuren eigentlich darüber austauschen sollen, dass sie morgen in die Villa einbrechen und wie der Plan dafür aussieht. Dann dürfen sie dabei eben nicht abschweifen und nebenher noch diskutieren, ob und wo sie vorher Pizza essen, der Kellner total süß aber schwul ist und eigentlich das Steakhouse nebenan viel besser ist. Mal ganz überspitzt gesagt. Im Kreis drehen dürfen sich die Figuren in einem Dialog auch nicht. Alles folgt strikt der Agenda.

    Wie halte ich es mit Humor in Dialogen?
    Ich mag feinsinnigen und trockenen Humor, der einem nicht direkt ins Gesicht klatscht, dass er Humor ist. Ich mag auch Humor, der sich aus dem Grotesken oder Skurrilen entwickelt wie zum Beispiel in den Scheibenweltromanen oder der Sumpflochsaga. Was überhaupt nicht bei mir ankommt, sind klassische Schenkelklopfer. Humorvolle Dialoge sind etwas schönes, aber schwer zu schreiben. Ich denke, man sollte nicht bewusst versuchen, witzig zu sein, auch nicht wenn man Funtastik oder humorvolle Romance oder whatever schreibt. Der Humor muss sich natürlich entwickeln. Natürlicher Humor nutzt sich auch nicht ab. Wenn man jedoch versucht wie ein Comedian eine Pointe nach der anderen zu landen, wird es eher ermüdend.

    Habe ich Dialoge fertig im Kof?
    Nein. Letztlich muss ich sehen, was die Figuren so tun. Aber ich höre sie während des Schreibens quasi in meinem Kopf miteinander reden. Und dann heißt es Zügel kurz und alles in der Bahn halten

    Wann sollte man den Redefluss der Figuren energisch einbremsen?
    Wenn sich die Figur vom Ziel des Dialogs entfernt oder anfängt sich im Kreis zu drehen.

    Gibt es hier eine Faustregel, nach der ihr arbeitet, oder geht das nach Bauchgefühl?
    Eine Faustregel ist mir tatsächlich nicht bekannt.

    habt ihr ein Rezept für das Verhältnis Dialog : Action?
    Nicht so richtig. Seitenweise Dialog sind sehr ermüdend, selbst wenn sie zielgerichtet sind. Bei seitenweise Action gilt aber das gleiche. Mir ist wichtig für Dialoge, dass sie lebendig sind. Idealerweise erkennt man auch ohne Inquits wer gerade in welcher emotionalen Gefühlslage spricht. Außerdem ist mir wichtig, dass die Dialoge nicht im luftleeren Raum stattfinden. Die Figuren befinden sich ja irgendwo und dieses Irgendwo hat einen Einfluss auf die Figuren. Das sollte immer wieder in den Dialog einfließen und ihn auflockern. So vermeidet man auch unnötige und in der Regel langweilige Inquits als Füllmasse.

    Gibt es Ausdrücke, die Tabu sind oder welche, die gerne verwendet werden und immer wieder passen?
    Wie geredet wird, bestimmen in der Regel die Figuren und ihre Umgebung. So gesehen ist nichts tabu, sofern es zur Figur passt. Ich vermeide allerdings Fäkalsprache, wenn die Figur sich auch anders ausdrücken kann und mag.

    Kennzeichnet ihr diese Unterhaltungen auf besondere Weise?
    Eigentlich nicht. Was ich mache, ist ein Zeilenumbruch nach der wörtlichen Rede, wenn danach der Sprecher wechselt oder eine Beschreibung folgt.


    Wie steht es mit den Monologen oder Gedankengängen der Figuren. Nützt ihr die Möglichkeit, die Gedanken von (ganz bestimmten oder auch von viel mehr) Figuren
    offenzulegen? Oder lasst ihr lieber die Handlungen der Protagonisten für sie sprechen?
    Ich mag Monologe nicht allzu gern. Ich lasse Figuren lieber durch Handlungen sprechen und treibe mich ungern in ihren Hirnwindungen herum. Oft tendiert man auch hier dazu, sich im Kreis zu drehen. Mein Respekt an alle, die gute Monologe hinkriegen, die zum Ziel führen, nicht zerfasern und sich nicht im Kreis drehen.

    Wieviel Flucherei sollte im Dialogtext sein und wie kreativ/abwechslungsreich soll das Gefluche sein?
    So wie es zu den Figuren passt. Was die Kreativität angeht, mag ich es, wenn die Flucherei sich schön ins Setting einfügt.
    "Sohn von Kamelpisse" von einem Wüstenbewohner an jemanden... den er nicht mag
    "Zum Orcus mit dir!" wenn ein antiker Römer seinen Gesprächspartner in die Hölle wünscht.
    "Impertinenter Wicht!" Das verwenden gerne meine Gentlemen im 19. jhd
    Wobei das jetzt großteils Beleidigungen und weniger Flüche waren. Aber gleiches gilt für Flüche. Es sollte auf jeden Fall Maß halten und nicht nervtötend auffallen. Für das rechte Maß fragen Sie ihren Betaleser oder Lektor.

    Einführung oder Prolog und was ist mit Autorkommentaren?
    Für einen auktorialen Erzähler passt eine Einführung ganz gut. Prologe nehme ich nur, wenn sie absolut nötig sind fürs Gesamtkonzept. Beim personalen Erzähler steige ich lieber mehr oder weniger direkt in die Handlung ein, gebe dem Leser aber gerne ein paar Sätze Zeit sich einzufinden.
    Autorenkommentare... ganz ehrlich? Für mich gibt es nichts sinnloseres. Schon im kleinen Hobbit fand ich die Dinger nur nervig. Beim Lesen interessiert mich die "Meinung" des Autors/Erzählers nicht. Der soll die Klappe halten. Ich bin sehr froh, dass Autorenkommentare aus der Mode gekommen sind.

    Kommentar

    • Katharina Valentina
      Kaffeetrinker
      • 17.09.2024
      • 53

      #3
      Wow, so viele Fragen! Ich paste das mal


      - Welchen Zweck sollen Dialoge also in einer Story erfüllen, was sollen sie dabei unbedingt beinhalten und wann sind sie überflüssig, zu lang oder zu langweilig?
      -> Handlung vorantreiben. Figuren gegeneinander aufreiben oder Konflikte lösen. Ich bin kein riesen Fan von Politik in Fantasy (was ich versuche, gut zu balancieren, weil es in meinen Büchern viele verschiedene Völker gibt) und deshalb politisches Dahergeplänkel überflüssig, wenn es nicht mit den persönlichen Wünschen der Personen verwoben ist. Ab und zu ist Geplänkel schön, wenn es Worldbuilding macht. Seitenweise Dialog wird langweilig, wenn er nicht strukturiert ist mit Verlauf - Höhepunkt etc.

      - Was aber machen gelungene Dialoge, Monologe oder Streitgespräche aus?
      -> Dass sie die Figuren greifbar machen, wichtige Informationen übermitteln (über Figuren/Geheimnisse/Welt etc.) und emotional ergreifend sind. Jede Figur sollte sich möglichst anders anhören beim Lesen und hat vlt. sogar verschiedene Arten zu sprechen, je nach dem, in welchen Kontext sie geworfen wird. Aber sie sollte ihrem eigenen Ausdruck immer treu bleiben. Das ist eine ziemliche Friemelarbeit und ich möchte nicht behaupten, dass ich das schon gemeistert habe.

      - Wieviel Platz sollten Gespräche in einem Roman generell einnehmen?
      -> bei Fantasy nicht so viel wie bei anderen Büchern, weil es so viel Worldbuilding gibt. Ich hätte keine prozentualen Regeln, aber meiner Meinung nach sollte schon auf fast jeder Seite Dialog vorhanden sein, ansonsten wird zu viel Geworlduildet


      - Wann sollte man in einer Szene lieber reden/schreien/verhandeln, anstatt eine Action- oder Handlungssequenz einzubauen und wann ist es sinnvoll, die beiden zu verbinden und wie erkennt man das?
      -> je nachdem, wo man in der Handlung ist, will man eine andere Intensität der Gefühle. Schreien + Action ist extrem intensiv, aber nach einer Actionszene zu reden/zu flüstern ist vielleicht noch intensiver. Das kann man nicht überall einbauen, sondern nur in Höhepunkten der Geschichte. Die Action kann auch für etwas stehen, da heißt, es steht noch zu viel zwischen den Figuren, als dass sie "normal" reden können. Ich würde sagen, verwende möglichst viele verschiedene Kombinationen und Intensitäten schlau über das Buch verteilt (an emotionalen Wendepunkten höhere Intensität), damit es eine schöne Achterbahn der Gefühle wird. Da fällt mir auf, dass mein Buch momentan noch ein wenig überladen ist ...

      Es ist für Autoren - denke ich - oft nicht so einfach das richtige Maß bei Dialogen oder Monologen zu finden und es ist oft viel Fingerspitzengefühl notwendig um die „richtige Dosis“ zu finden. Wie geht ihr in der Praxis an diese Bereiche heran?
      -> es ist schwer, die Bücher mit Abstand zu betrachten und da würde ich auf Hilfe von Betalesern hoffen. Ansonsten erst einmal Abstand von dem Manuskript bekommen und später nochmal reingehen. Jeder empfindet das auch anders. "Nur so viel wie nötig".

      Habt ihr die Dialoge fertig im Kopf, oder entwickeln sie sich beim Schreiben?
      -> die entwickeln sich bei mir immer beim Schreiben - aber die Figuren, ihre Emotionen, den Subtext, die Vergangenheit etc. muss ich davor unbedingt im Kopf haben, ansonsten werden die Dialoge/Monologe hölzern.

      - Wann sollte man den Redefluss der Figuren energisch einbremsen - und - habt ihr ein Rezept für das Verhältnis Dialog : Action ?
      -> Die Action sollte immer ein Ausdruck der Gefühle sein, sie vertiefen oder die Charaktere gegeneinander ausspielen. Dann haben sie auch Platz in der Handlung. Aber wenn es einfach nur Action gibt um der Action willen, ist sie leer und transportiert nichts.

      - Wie lange sollten Gespräche zwischen den Figuren eurer Meinung nach maximal andauern, bevor es mühsam wird und dringend Handlung gefragt ist?
      -> ein paar Seiten vielleicht? Aber ich spreche von Fantasy - es gibt ja auch Kammerspiele (Filme), in denen die ganze Zeit geredet wird, das ist dann strukturell sehr gut aufgebaut. Jede Figur hat Hintergrund, es gibt Allianzen etc. pp. und da wird die Sprache zur Waffe und erzeugt damit auch "Action". Also ist das alles sehr Kontextabhängig.

      - Und ist es sehr schwierig für euch dabei genau abzuwägen, was in so einen Dialog/Monolog unbedingt hineingehört, was zu „grenzwertig“ zählt und was schweren Herzens wegmuss?
      -> manchmal schon. Ich habe Dialoge schon mehrfach nachbearbeitet, weil ich meine Meinung dazu geändert habe, was hinein muss...

      - Gibt es Ausdrücke, die Tabu sind oder welche, die gerne verwendet werden und immer wieder passen?
      -> ich finde neumodische Schimpfworte für Fantasy unnötig, weil sie mich aus der Welt herausreißen (so was wie "Fuck" oder "Okay".) Ausdrücke an sich verwende ich nicht so viel, da die Figuren sich auch beleidigen können, ohne die Schimpfworte rauszuholen - auf einer persönlich-verletzenden Ebene.

      - Wieviel Einfluss auf das Endergebnis der Dialogsequenzen haben dabei eure Betaleser?
      -> sie können recht viel Einfluss haben, wenn ihre Anmerkungen Sinn ergeben. Wenn ich zum Beispiel eine Szene habe, in der ich einen wichtigen Teil der Charakterdynamik nicht ausgespielt habe oder die Entwicklung unnatürlich wirkt, muss ich da nochmal nachbessern!


      - Kennzeichnet ihr diese Unterhaltungen auf besondere Weise? ( Eingerückte Zeile, Kursiv geschrieben, fett gedruckt)
      -> wenn es besonders mächtige Wesen gibt, bekommen die eine andere Schrift. Oder wenn ein Wort besonders wichtig ist. Aber ansonsten nicht.

      - Wie steht es mit den Monologen oder Gedankengängen der Figuren. Nützt ihr die Möglichkeit, die Gedanken von (ganz bestimmten oder auch von viel mehr) Figuren
      offenzulegen? Oder lasst ihr lieber die Handlungen der Protagonisten für sie sprechen?
      -> Lieber Handlung als innere Monologe. Hängt aber auch mit meiner Wahl - POV (3. Pers.) zusammen. Ich habe einige wenige kursive Gedankengänge, wenn es sehr wichtig ist. Ansonsten erlebte Rede, wenn die Figuren zweifeln oder hin und hergerissen sind oder anderweitige Probleme haben. Aber wenn möglich würde ich das auch durch Handlung zeigen.


      - Wieviel Flucherei sollte im Dialogtext sein und wie kreativ/abwechslungsreich soll das Gefluche sein?
      -> wenn eine Figur viel flucht, dann tut sie das. Wenn sie aus einer anderen Spezies ist, die spezielle Fluchwörter hat, dann ist das so. Aber nie zu viel - es nutzt sich irgendwann ab. Auch sollte die Person, die immer flucht, sich entwickeln.

      - Wie witzig sollte generell ein Text, und dabei vor allem die Gespräche der Figuren sein und ab wann wird’s für euch als Autor oder auch als Leser nervig?
      -> je nach Genre unterschiedlich. Ich habe hier und da ein paar witzige Stellen, aber ich will nicht, dass das Genre Fantasy (das sich mitunder schon ernst nimmt) untergraben wird. Marvel macht das immer mehr, dass sie alles lustig machen und infrage stellen, aber dann verlieren die Geschichten an Ausdruck und Gewicht. Manchmal frage ich mich auch, ob ich nicht ein paar lustige Stellen streichen sollte.


      - Haltet ihr als Autor/Geschichtenerzähler vor Geschichten eine Art „Einführung“ oder Prolog oder macht ihr es ganz anders?
      -> wenn ich den auktorialen Erzähler gewählt hätte, dann ja auf jeden Fall. Aber ich bin in 3. Pers. POV, also lasse ich andere Figuren über die Welt sprechen. Mein Prolog ist rein emotionaler Natur und zeigt den zentralen Konflikt zwischen meinen Hauptfiguren.


      - Wie steht es mit Epilogen oder den berühmten Enden der Märchen „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute?“ Habt ihr einen bevorzugen Schlusssatz?
      -> In meinem Fall macht der Epilog ein neues Thema auf und verweist auf Buch 2. Aber am Ende des letzten Kapitels greife ich das Ende des ersten Kapitels auf und zeige anhand dessen, wie sich meine Hauptfigur verändert hat.



      - Sind Bemerkungen oder eigene Gedanken des Autors/des Erzählers in der Geschichte nützlich, unnötig, vielleicht störend oder kommt es ganz auf die Story an? Und wenn ja, wie erkennt man das als Autor?
      -> der Autor ist nie der Erzähler. Der Erzähler ist eine Rolle, in die der Autor schlüpft, genauso wie er in die Rollen seiner POV Figuren schlüpft. Wenn man einen allwissenden Erzähler hat, der das Geschehene kommentiert, sollte das zur Handlung beitragen (ob lustig oder informativ oder...), ansonsten ist es unnötig oder sogar störend.


      Ich habe das alles noch lange nicht gemeistert, aber hoffe, dass es informativ für dich ist

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      • Niam
        Redakteur
        • 05.09.2023
        • 107

        #4
        Vielen herzlichen Dank für eure ausführlichen und aufschlussreichen Antworten!
        Es ist immer wieder toll, wenn man unterschiedlichen Autoren bei ihrer Arbeit über die Schulter gucken darf und so von ihrer Erfahrung und ihren Ansichten lernen kann egal ob als (angehender) Schreiberling, aktiver Geschichtenweber oder als interessierter Leser.

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